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Passau
(erstellt am: 18.08.2008 - letzte Änderung: 18.01.2011 - aufgerufen: 929 Mal)
1. Alt-Katholische Gemeinde

1.1. Geschichte:
Nachdem am 10. April 1871 in der sogenannten Münchner Museumsadresse der bayerische König gebeten worden war, den Vatikanischen Dogmen die staatliche Anerkennung zu verweigern, schlossen sich 29. April 72 angesehene Bürger Passaus dieser Adresse an und veröffentlichten am 3. Mai in der Passauer Zeitung einen Aufruf, sich in Unterstützungslisten einzutragen. Diese Listen lagen bei den Apothekern Leibendinger und Egger, beim Cafetier Hohentanner und bei der Passauer Zeitung auf. Bis zum 15. Mai unterzeichneten insgesamt 488 Passauer diese Anschlussadresse.
Am 14. Oktober gründeten die Passauer Konzilsgegner einen „Lokalverein für katholische Reformbewegung“, der im Januar 1872 den König um die Zuweisung einer Kirche bat. Am 21. April 1872 ging aus dem Lokalverein im Großen Redoutensaal die alt-katholische Gemeinde hervor. Professor Friedrich (München) stellte bei dieser Gelegenheit der Gemeinde den Geistlichen Johann Mazanec vor, der noch am selben Tag zum Pfarrer berufen wurde. Die erste Liste der Gemeindemitglieder zählt 271 selbstständige Männer. Insgesamt bekannten sich damit in Passau zwischen 450 und 500 Personen zum Alt-Katholizismus.
Am 15. März 1873 sprach der Magistrat der Stadt der Gemeinde die Heiliggeist-Spitalkirche zum Simultangebrauch mit der römisch-katholischen Kirche zu. Wegen Einsprüchen konnte dort aber vorerst kein Gottesdienst stattfinden. An Ostern 1873 feierte deshalb Professor Friedrich den ersten alt-katholischen Gottesdienst Passaus im Sitzungssaal des Rathauses. Bis 1874 zog sich der Streit um die Heiliggeist-Spitalkirche hin, in der sich schließlich am 14. Juni erstmals die alt-katholische Gemeinde zum Gottesdienst versammelte. Da für die römisch-katholische Kirche ein Simultangebrauch undenkbar war, waren de facto die Alt-Katholiken die alleinigen Nutzer.
Aufgrund des Ministerialentscheides vom 15. März 1890 wurden in Bayern die Alt-Katholiken nicht mehr als Katholiken betrachtet. Anlass dafür war die Utrechter Erklärung der alt-katholischen Bischöfe vom Vorjahr, in der das Mariendogma von 1854 verworfen wurde, das in Bayern – anders als die Vatikanischen Dogmen – das Placet des Königs erhalten hatte. Aufgrund dieser Rechtslage entzog am 26. April 1890 der Magistrat der Gemeinde das Nutzungsrecht für die Heiliggeist-Spitalkirche. Der letzte alt-katholische Gottesdienst wurde dort am Weißen Sonntag, 13. April 1890, gefeiert. Vom 25. Mai 1890 (Pfingsten) bis zum 7. Juli 1895 war die Gemeinde zu Gast in der evangelisch-lutherischen Kirche von Passau, in St. Matthäus. Diese Situation führte letztlich zum Bau einer eigenen Kirche (siehe unten 2.)
Da die Alt-Katholiken in Bayern bis 1920 nur noch als Privatkirchengesellschaft anerkannt waren, musste sich die Gemeinde 1892 als Verein neu gründen. Einer Privatkirchengesellschaft war es nicht erlaubt, den Kultus öffentlich zu feiern, worunter auch das Läuten von Glocken fiel. Außerdem konnten deren Mitglieder nicht Beamte werden. Dies bedeutete, dass der bayerische Alt-Katholizismus genau von jener Schicht, dem liberalen Bürgertum, insbesondere den Beamten, abgeschnitten war, die ihn anfangs trug. Die Gemeinde erlebte folglich einen Niedergang und zählte 1900 nur noch 70 Mitglieder (siehe unten 1.5.). Von 1914 bis 1917 konnte die Passauer Pfarrstelle erstmals nicht mehr besetzt werden. Zwar veränderte sich im Zuge der Weimarer Reichsverfassung wieder der Rechtsstatus der Alt-Katholiken, die nun in Bayern ab 1920 als Kirche anerkannt waren (Passau erhielt die Anerkennung als Pfarrgemeinde), aber der Niedergang war nicht aufzuhalten. Von 1922 bis 1932 musste die Pfarrstelle vakant bleiben. Erst ab Mitte der zwanziger Jahre kam es durch das Engagement des emeritierten Münchener Pfarrers Anton Gatzenmeier zu einer Neubelebung der Gemeinde, so dass 1932 wieder ein eigener Pfarrer berufen werden konnte. In der Nachkriegszeit wuchs die Gemeinde zunächst durch die Aufnahme alt-katholische Flüchtlinge aus dem Sudetenland. In Zwiesel wurde eine neue Gottesdienststation für die dort lebenden Alt-Katholiken eingerichtet. Doch führten verschiedene Gründe erneut zur Schrumpfung der Gemeinde, so dass aus finanziellen Gründen seit 1963 die Gemeinde durch den jeweiligen Pfarrer in Regensburg betreut wird.

1.2. Die Pfarrer der Gemeinde:
1872-1874 Johann Mazanec
1875-1878 Josef Demmel
1878-1880 Max Kopp
1880-1883 Josef Kosar
1883-1890 Franz F. Wohlmann
1890 Martin Ambrosius von Kiss
1891-1892 Adolf Tobias
1892-1900 Lic.theol. Leopold Karl Götz
1900-1901 Erwin Kreuzer
1902-1914 Gottfried L. Reinkens
1914-1917 unbesetzt
1917-1918 Dr. Carl Rieger
1918-1922 Alois Paschek
1922-1932 unbesetzt
1932-1952 Josef Spieler
1953-1962 Franz Billich
ab 1963 betreut durch den jeweiligen Pfarrer in Regensburg.

1.3. Die Ersten Vorsitzenden der Gemeinde:
1872-1895 Ritter Joseph von Rohrmüller, Landgerichtspräsident a.D., 1895-1921 Franz Xaver Rehaber, Uhrengroßhändler, Magistratsrat (1894-1904), Verwalter des Schulfonds und zahlreicher kleinerer Stiftungen,
1921-1929 Edmund Weyland jun., Kommerzienrat, Textilkaufmann, Mitglied des Stadtrats, Aufsichtsrat in der PIAG, 1929-1934 Centa Leeb, Witwe des Landgerichtssekretärs Emil Leeb.

1.4. Bedeutende Laien aus der Anfangszeit:
Johann Seidl (+1896), Stadtbaurat, Erbauer der Auferstehungskirche. Josef von Schmidt-Zabierow (1831-1904), Bauoberinspektor, Ritter des bay. Zivilordens vom hl. Michael (verbunden mit dem persönlichen Adel). Karl Wagner (1842-1923), Kommerzienrat, Ehrenbürger von Passau, Kaufmann und Kommunalpolitiker.
Dr. Joseph Waltl (1805-1888), Arzt und Dozent für Naturgeschichte an der Hochschule, Verfasser zahlreicher naturwiss. Werke. Franz Dullinger (1828-1887), Ökonomierat und Brauereibesitzer.
Paul von Stockbauer (1826-1893), Rechtskundiger Bürgermeister (1867-1893), 1892 persönlicher Adel, Abgeordneter der liberalen Partei im bay. Landtag (1869-1875).
Edmund Weyland (1848-1923), Textilkaufmann. Edmund Weyland jun. (1881-1929), Kommerzienrat, Textilkaufmann, Mitglied des Stadtrats, Aufsichtsrat in der PIAG.

1.5. Gemeindestatistik:
1871: 500 Mitglieder ca.
1875: 450 Mitglieder
1878: 320 Mitglieder
1880: 191 Mitglieder
1888: 106 Mitglieder
1890:   81 Mitglieder
1892: 112 Mitglieder
1899: 102 Mitglieder
1900:   70 Mitglieder
1909:   57 Mitglieder
1917:   52 Mitglieder
1924:   21 Mitglieder
1928:   36 Mitglieder
1930:   50 Mitglieder
1931:   63 Mitglieder
1932:   88 Mitglieder
1933: 123 Mitglieder
1934: 179 Mitglieder
1937: 236 Mitglieder
1938: 251 Mitglieder
1945: 211 Mitglieder
1949: 359 Mitglieder
1967: 162 Mitglieder
1968: 157 Mitglieder
1993:   70 Mitglieder
1998:   75 Mitglieder
2000:   76 Mitglieder


2. Alt-Katholisches Kirchengebäude:
Auferstehungskirche, Innstr. 19. 2.1.

2.1 Geschichte:
Nach der Kündigung der Heiliggeist-Spitalkirche durch die Stadt 1890 beschloss die Gemeindeversammlung am 4. November 1892, eine eigene Kirche zu bauen. Vom Gutsbesitzer Max Schmerold konnte in der Innstraße ein Grundstück erworben werden (damals Nr. 9, heute Nr. 19), das für den Kirchbau geeignet war. Stadtbaurat und Gemeindemitglied Johann Seidl a.D. erstellte dafür die Baupläne. Im September 1894 wurde mit dem Bau begonnen. Bereits wenige Wochen später, am 25. November 1894, konnte die Altargrundsteinlegung gefeiert werden. Die Urkunde im Altargrundstein, deren Original bei einem Hochwasser vernichtet wurde, lautete:
„Im Jahre 1894, als Wilhelm II. deutscher Kaiser, Luitpold Prinzregent von Bayern, Dr. J. H. Reinkens katholischer Bischof der Altkatholiken Deutschlands war, im 24ten Jahre nach der Verkündigung der Glaubenssätze von der Unfehlbarkeit und Allgewalt des Papstes, wurde am 25. November nach vollendetem Rohbau der altkatholischen Auferstehungskirche in Passau der Grundstein des Altares gelegt. Gegründet ist die Gemeinde in der Versammlung vom 21. April 1872. Die Heiliggeistkirche war ihr Gotteshaus vom 14. Juni 1874 bis zum 26. April 1890. Seit Pfingsten 1890 ist sie in der protestantischen Kirche zu Gast. Die Mittel zum Bau einer eigenen Kirche wurden zusammengesteuert von der altkatholischen Gemeinde Passau, der Stadtgemeinde Passau, von protestantischen, englischen, russischen und jüdischen Freunden der Gemeinde. Vorsitzender des Kirchenvorstandes war J. Ritter von Rohrmüller, kgl. Landgerichtspräsident a.D., Pfarrer Carl Götz, Lic. theol. Die Pläne und Entwürfe stammen von dem Stadtbaurat a.D. J. Seidl. Die Ausführung des Baus war Herrn Baumeister O. Doblinger übertragen.
Gez. von Rohrmüller; Lic. Götz“
Zur Grundsteinlegung sprach zu den Hammerschlägen Ritter von Rohrmüller die Worte: „Möge diese Kirche ein Kristallisationspunkt für unsere Gemeinde werden und den Beweis liefern, dass ein irdisches Machtwort die altkatholische Frage nicht aus der Welt zu schaffen vermag.“
Am 14. Juli 1895 konnte erstmals der Gottesdienste im Neubau gefeiert werden. Die offizielle Einweihung erfolgte am 20. Oktober 1895 durch Weihbischof Dr. Theodor Weber.
1931 wurde die Auferstehungskirche renoviert; die ursprüngliche Ausmalung wurde dabei nicht mehr wiederhergestellt. Es folgte 1946 eine weitere Renovierung, bei der kleinere Kriegsschäden beseitigt und der Chorraum farblich neu gestaltet wurde. Tagelanger Regen und die Hochgebirgsschmelze ließen im Sommer 1954 die Fluten des Inn dermaßen anschwellen, dass am Ende das Wasser 1,72 Meter hoch im Kirchenraum stand. Noch im selben Jahr wurde deshalb eine erneute Innen- und Außensanierung in Angriff genommen, um die Hochwasserschäden zu beseitigen. Wiederum wurde der Chorraum neu gestaltet, ebenfalls bei der darauf folgenden Sanierung 1978. Die heutige Gestaltung der Auferstehungskirche geht auf eine umfassende Außen- und Innenrenovierung in den Jahren 1998 bis 2004 zurück.

2.2. Ausstattung:
Von der ursprünglichen Einrichtung sind die Bänke und der weiße Hochaltar erhalten, über dem das Altarbild „Der Auferstandene“ hängt, das der Münchner Akademiemaler und Alt-Katholik Mathias Schmid für die Kirche gemalt und der Gemeinde geschenkt hat. Die Kanzel ist nicht mehr erhalten. Ein spätbarockes Kreuzigungsbild von einem unbekannten Meister gehört ebenfalls zur Erstausstattung. Die zweiregistrige Orgel kam erst später, zu einem nicht mehr nachvollziehbaren Zeitpunkt in die Kirche.
Ursprünglich war der Altarraum mit purpurroten Teppichen behängt, die auf den erhaltenen Fotos schwarz erscheinen. Dem korrespondierte der rote Behang der Emporenbrüstung. Die Decke war blau gestrichen, im Altarraum dürfte es sich um einen Sternenhimmel gehandelt haben.

3. Alt-Katholisches Pfarramt:
Amperstr. 3, 93057 Regensburg
Tel. 0941-48821
Email: regensburg@alt-katholisch.de
Internet: http://www.passau.alt-katholisch.de

 

Literatur: Carl Rieger: Die altkatholische Gemeinde Passau. Ein geschichtlicher Rückblick, in: AKVK 29 (1919) 33-38 / Alto Schwaiger: Alt-Katholiken in Altbayern, in: Angela Berlis, Klaus-Dieter Gerth (Hg.): Christus Spes. Liturgie und Glaube im ökumenischen Kontext. Festschrift für Bischof Sigisbert Kraft, Frankfurt/M. u.a. 1994, 277-294.

 

Bitte wie folgt zitieren: Matthias Ring: Art. Passau, in: Onlinelexikon Alt-Katholizismus, www.olak.de (Version 23. Dezember 2008)

Autor: Matthias Ring
weiterführender Link: http://www.regensburg.alt-katholisch.de
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