Fehler im Beitrag?

Regensburg
(erstellt am: 25.02.2011 - letzte Änderung: 25.02.2011 - aufgerufen: 330 Mal)
1. Alt-Katholische Gemeinde

1.1. Geschichte:
18. Juli 1870: Das Erste Vatikanische Konzil beschließt die Dogmatisierung der päpstlichen Unfehlbarkeit und des Universalprimats.
10. April 1871: In der sogenannten Münchner Museumsadresse wird der bayerische König gebeten, den Dogmen die staatliche Anerkennung zu verweigern. An verschiedenen Orten organisieren sich die Konzilsgegner in Vereinen. In Regensburg bildet sich ein „Verein zur Unterstützung der katholischen Reformbewegung“.
Oktober 1871: In Straubing tauft der exkommunizierte Geistliche und Studienlehrer Max Hort ein Kind. In der St. Georgskapelle hält er ab April 1872 für einige Zeit alt-katholische Gottesdienste, doch kommt es dort nicht zu einer dauerhaften Gemeindegründung.
22.-24. September 1871: Auf dem Münchener (Alt)Katholiken-Kongress beschließen die Konzilsgegner, eigene Gemeinden zu gründen. Aus Regensburg nehmen teil Rechtsrat Heigl, Redakteur Reitmayer und Magistratsrat Roinauer. Während es in anderen Städten nach dem Münchener Kongress zu Gemeindegründungen kommt, ist aus Regensburg nichts zu hören. Offensichtlich ist die Zahl der Alt-Katholiken zu klein.
14. Januar 1872: Eine (Alt-)Katholiken-Versammlung soll die Zahl der Anhänger mehren. Es sprechen Prof. Dr. Zirngiebl (München) vom bayerischen Landesreformverein über „die Einkehr des Lügengeistes in der katholischen Kirche“, Prof. Dr. Johann Huber „gegen die Jesuiten“ und Prof. Dr. Joseph Hubert Reinkens (Breslau) über „die rühmlichen Eigenschaften der früheren Bischöfe Regensburgs“.
12.-14. September 1873: Alt-Katholiken-Kongress in Konstanz; die Synodal- und Gemeindeordnung wird provisorisch in Kraft gesetzt. Aus Regensburg nimmt Lycealprofessor Kastner teil.
19. Oktober 1873: Erster alt-katholischer Gottesdienst in Regensburg in der evangelischen Bruderhauskirche. Zelebrant ist Professor Johann Friedrich aus München. Die nächsten Messen feiert Pfarrer Gatzenmeier (München) am 25. und 26. Dezember 1873 und am 19. Juli und 4. Oktober 1874. Es wird also weder ein Pfarrer für Regensburg berufen noch wird regelmäßig Gottesdienst gefeiert.
1874: In Bonn tagt nach Pfingsten die erste Synode der Alt-Katholiken des Deutschen Reiches. Aus Regensburg ist kein Delegierter dabei. – Ein Indiz dafür, dass es nicht gelungen ist, eine Gemeinde mit nennenswertem Umfang zu gründen.
Ab 1875: Die Regensburger Alt-Katholiken werden von Passau aus betreut.
15. März 1890: Aufgrund eines Ministerialentscheides sind die Alt-Katholiken Bayerns nicht mehr als Katholiken zu betrachten. Die alt-katholische Kirche gilt fortan, bis 1920, nur als Privatkirchengesellschaft, der die öffentliche Religionsausübung verwehrt ist. Als öffentlich gelten z.B. das Läuten von Glocken und das Tragen liturgischer Kleidung bei Beerdigungen. Am schwersten wiegt die Einschränkung, dass Alt-Katholiken nicht mehr Beamte werden können. Damit bricht in Bayern jene Schicht weg, die ursprünglich den Alt-Katholizismus getragen hat. Das ist auch ein Grund, warum es in Regensburg zu keiner dauerhaften Gemeindegründung kommt.
1923: Die Rechnungsratswitwe Luise Bauer aus Regensburg wendet sich an den Geistlichen Rat Anton Gatzenmeier in München mit der Anfrage, wem denn nun, da schon geraume Zeit kein Gottesdienst mehr stattgefunden habe, die Pastoration der Regensburger „Glaubensgenossen“ obliege. Sie müsse an ihr nahes Ende denken und möchte doch wissen, von wem gegebenenfalls das Begräbnis vorgenommen werde. Zur Bekundung ihrer treuen Anhänglichkeit an die kleine Regensburger Gemeinde legte sie eine Spende von fünf Millionen bei sowie das Porto für die Rückantwort, noch einmal 250 000 Mark. Aufgrund der Inflation entsprachen die fünf Millionen fünf Rentenmark. Anton Gatzenmeiers Antwort lautete dahin, dass man die „Glaubensgenossen“ in Regensburg (mit den drei Diasporanen waren es insgesamt sieben!) nicht im Stich lassen werde. War der Anfang auch bescheiden, so markiert dies den Neustart zum Aufbau der alt-katho-lischen Gemeinde in Regensburg.
27. April 1924 (Weißer Sonntag): Pfarrer Gatzenmeier aus München (zu diesem Zeitpunkt bereits 75 Jahre alt) beginnt mit der regelmäßigen Feier von Gottesdiensten Die kirchlichen Bücher vermerken vier Kommunikanten. Einmal im Monat (später vierzehntägig) versammelt sich von nun an die Gemeinde in der evangelischen Bruderhauskirche; es nehmen im Schnitt 22 Personen teil. Zu Jahresanfang gab es in Regensburg nur noch sechs Alt-Katholiken.
1925: Die Gemeinde zählt 26 Mitglieder.
11. Juli 1926: Erstmals wird ein eigener Kirchenvorstand gewählt.
1926: Bei 54 Mitgliedern nehmen im Schnitt 70 Personen an den Gottesdiensten teil.
12. Februar 1927: Erste Gemeindeversammlung.
1927: Die Gemeinde zählt 85 Mitglieder.
1928: 115 Mitglieder.
1933: 141 Mitglieder.
1936: 236 Mitglieder.
1937: 258 Mitglieder.
1. September 1939: Die Gemeinde Regensburg wird zur Pfarrei erhoben. Josef Braun wird der erste Pfarrer, der vor Ort lebt. Die Gemeinde zählt 277 Mitglieder.
Mitte 1946: Die Gemeinde verlegt ihre Gottesdienste von der Bruderhauskirche, die als Magazin genutzt wird, in die evangelische Oswaldkirche. Von Regensburg aus werden die Alt-Katholiken in der gesamten Oberpfalz einschließlich der Städte Ingolstadt und Landshut betreut. Es sind dies insgesamt über 700 Personen.
1949: Die Gottesdienste finden nun in der Kirche im Stadtpark statt.
1963: Seit dem Ruhestand von Pfarrer Billich in Passau versorgt der Regensburger Geistliche die Passauer Gemeinde mit.
1964: Die Gemeinde kann die römisch-katholische Kapelle Mariä Schnee im Prinzenweg für ihre Gottesdienste nutzen. – Ein Indiz für das entspannte ökumenische Klima.
1973: Die nördlichen Landkreise der Oberpfalz werden fortan von der Gemeinde Weidenberg (bei Bayreuth) betreut.
1993: 133 Mitglieder.
1996: 156 Mitglieder.
21. September 2003: Die Gemeinde kehrt in die Bruderhauskirche zurück und versammelt sich dort seitdem zur Feier der Gottesdienste. Vorausgegangen ist die Kündigung der Kapelle Mariä Schnee durch den Generalvikar des Bistums Regensburg. Im Kündigungsschreiben werden theologische Erwägungen und Eigenbedarf als Gründe genannt.
2006: 171 Mitglieder.
7. November 2009: Der Pfarrer der Gemeinde Regensburg, Dr. Matthias Ring, wird zum alt-katholischen Bischof gewählt.

1.2. Die Pfarrer und Seelsorger der Gemeinde:
1939-1946 Josef Braun
1946-1952 Josef Schniertshauer
1952-1953 Wilhelm Korstick
1953-1960 Philipp Elbert
1961-1969 Alfred Fasser
1969-1972 Wynfrith Noll
1972-1974 Franz Susmann
1974-1976 Romuald Dzenis
1976-1993 Robert Patzold
1993-2000 Matthias Ring
2001-2005 Ralf Staymann (Ring Pfarrverweser)
2005-2010: Matthias Ring

1.3. Kirchengebäude:
Ein eigenes Kirchengebäude hat die alt-katholische Gemeinde nie besessen. Zu Gottesdiensten kam man in folgenden Kirchen zusammen:
1873-1946: Evangelische Bruderhauskirche
1946-1949: Kirche im Stadtpark (städtisch, gemeinsame Nutzung mit russ.-orth. Gemeinde)
1964-2003: Kapelle Mariä Schnee (römisch-katholisch)
seit 2003: Evangelische Bruderhauskirche

Alle Daten zusammengestellt auf der Basis der Akten im Bistumsarchiv Bonn und im Archiv der alt-katholischen Gemeinde Regensburg.

Bitte wie folgt zitieren: Matthias Ring: Art. Regensburg, in: Onlinelexikon Alt-Katholizismus, www.olak.de (Version 25. Februar 2011)


Autor: Matthias Ring
weiterführender Link: www.alt-katholisch.regensburg.de
Download:

Drucken Beitrag drucken