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Weeber, Josef Maria
(erstellt am: 19.08.2008 - letzte Änderung: 18.01.2011 - aufgerufen: 682 Mal)
Weeber, Josef Maria [=Textor], Pfr., Dr. phil. (1922, Würzburg), * 10. August 1881 in Weiden/Oberpfalz, + 25. Juli 1960 in Nürnberg, beerdigt am 28. Juli 1960 in Nürnberg, St. Johannes-Friedhof.

Verheiratet mit Annemarie, geb. Huber (1892-1965), am 14. Oktober 1919.

Kinder: Wolfgang, Waltraud, Bernhardine, Faust.

Jüngstes von zehn Kindern eines Weidener Schneiders. 1903 Reifeprüfung in Metten/Niederbayern, Eintritt ins Priesterseminar des Bistums Regensburg, Priesterweihe am 27. Juni 1908. Als Seelsorger bis Mai 1913 an verschiedenen Orten (Kallmünz, Tegernheim, Otzing, Pempfling), unterbrochen durch eine längere Erkrankung und durch einen achtwöchigen Aufenthalt in der Priesterstrafanstalt Ensdorf und Kloster Reichenbach wegen der Beziehung zu einer Frau. Ende Mai 1913 Wegzug nach München ohne Erlaubnis des Ordinariats; dort verlobte sich Weeber, doch die Verlobte starb bereits im Juni 1914. Von Juni 1913 bis Ostern 1918 wissenschaftlicher Korrektor, Verlagssekretär und Berater bei der Verlagsanstalt August Seyfried und Co. 1914 Übertragung einer Messstelle durch das Bistum München in der St. Nepomukkirche (Sendlingerstr.); 1915-1916 Messstelle bei den Armen Schulschwestern in Giesing und 1916-1918 in der orthopädischen Klinik. Zum 1. Oktober Schriftleiter der Beuthener Zeitung (bis 19. Dezember 1918); Ende 1918 Rückkehr nach München; dort feierte Weeber bis Juli 1919 in der St. Margarethenkirche auf Einladung des Pfarrers die Messe. Am 9. September 1919 Austritt aus der römisch-katholischen und Eintritt in die evangelische Kirche. Heirat am 14. Oktober 1919. Von November 1919 bis Juli 1922 Studium an der Uni München und Würzburg, abgeschlossen mit der Promotion  zum Dr. phil. summa cum laude am 13. Juli 1922 (Thema laut Urkunde: „Die deutsche Aufklärungsphilosophie im Benediktinerorden um die Mitte des 18. Jahrhunderts mit besonderer Berücksichtigung ihres Brennpunktes Ulrich Weiß von Irsee“). Erneuter Umzug nach München. Im  Juli 1922 Aufnahmegesuch an den alt-katholischen Bischof Georg Moog. 21. April 1923 Zulassung zu geistlichen Amtshandlungen; Vertretung von Pfr. Gatzenmeier. 7. Juni 1923 Aufnahme in die Geistlichkeit und Ernennung zum Hilfsgeistlichen für München. 6. August 1923 Ernennung zum Pfarrverweser für Augsburg. Im Juli 1924 Versetzung nach Ladenburg als ständige Aushilfe, zum 1. Dezember 1924 Versetzung als Pfarrverweser nach Offenbach/M., wo Weeber am 30. August 1925 zum Pfarrer gewählt wurde. Am 1. Juli 1934 Wahl zum Pfarrer der Gemeinde Nürnberg (mit Erlangen und Würzburg) (Dienstantritt 1. August 1934). Während des Krieges zusätzlich ab 1943 Vertretung des Regensburger Geistlichen. Wegen Mitgliedschaft in der NSDAP (seit 1. März 1932 mit der Nr. 1.151.752, seine Ehefrau bereits seit 2. November 1931 mit der Nr. 928.537) wurde Weeber zum 24. Oktober 1945 von der US-Militärregierung amtsenthoben. Die Spruchkammer stufte ihn mit Urteil vom 25. Februar 1948 in die Gruppe der Mitläufer ein und verurteilte ihn zu 400 Mark Sühnegeld. Die Militärregierung ließ ihn daraufhin wieder zum Dienst zu, doch kirchlicherseits bestand kein Interesse an einer Weiterbeschäftigung, weshalb Weeber zum 16. März 1948 die ehrenvolle Pensionierung angeboten wurde, die er annahm.

Weeber begann im September 1932 in Offenbach mit einen Predigtreihe gegen das „verjudete Christentum“. Trotz bischöflichen Verbots setzte er diese Predigten fort, die eindeutig antisemitischen Charakter hatten. Weeber propagierte ein „judenfreies deutsches Christentum“ und einen „heldischen, deutschen Christus“. In Offenbach war er auch als Ortsgruppenleiter des nationalsozialistischen Kampfbundes für Deutsche Kultur tätig. Als Pfarrer der Nürnberger Gemeinde erhielt er vom evangelischen Dekanat wegen seiner antisemitischen Predigten 1937 Predigtverbot in der Friedhofskirche in Erlangen, die der alt-katholischen Gemeinde als Gottesdienstort zur Verfügung stand. 1938/39 war er zeitweise Mitglied der Deutschen Christen, trat aber wegen Androhung von Sanktionen durch Bischof Kreuzer wieder aus, nachdem es ihm nicht gelungen war, eine Anstellung bei der NSDAP oder den Deutschen Christen zu finden.

Weeber verfasste eine Reihe religionsphilosophischer Manuskripte, die nicht veröffentlicht wurden. Das einzige, das erhalten ist (eine Kopie findet sich in seiner Personalakte im alt-katholischen Bistumsarchiv in Bonn) und aus der Zeit nach 1945 stammt, zeigt, dass er der negativen Sicht des Judentums über den Krieg hinaus verhaftet blieb. Vor 1920 verfasste er eine Reihe von Schriften aus dem Bereich der Andachtsliteratur.

Werke: Tägliche Gebetsübungen zur Kriegszeit von einem katholischen Priester (n.a.) / Kriegskreuzweg (n.a.) / Herr, gib uns den Frieden! (n.a.) / (Josef M. Textor) Kriegskommunionbüchlein (n.a.) / Sonne fürs Herz (n.a.) / Kriegs-Maiandacht. Betrachtungen und Gebete für jeden Tag des Mai zu Ehren der Maienkönigin im Kriegsjahr 1915, mit einem Liederanhang, München 1915.

Literatur: Matthias Ring: „Katholisch und deutsch“. Die alt-katholische Kirche Deutschlands und der Nationalsozialismus, Bonn 2008 / Matthias Ring: Gegen das „verjudete Christentum“. Der Fall des Pfarrers Joseph Maria Weeber, Bonn 2009.

 
Bitte wie folgt zitieren: Matthias Ring: Art. Weeber, Josef Maria, in: Onlinelexikon Altkatholizismus, www.olak.de (Version 17. August 2008) 

Autor: Matthias Ring
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